Medizinisches Cannabis wird in Deutschland im Rahmen einer ärztlich begleiteten Behandlung eingesetzt. Je nach individueller Therapie können Cannabisblüten, Extrakte oder andere cannabisbasierte Arzneimittel infrage kommen. Entscheidend sind nicht pauschale Sortenversprechen, sondern die konkrete Zusammensetzung, Darreichungsform, Verträglichkeit und ärztliche Beurteilung.
Zu den wichtigsten Wirkstoffen zählen THC und CBD. Daneben können weitere Cannabinoide und Terpene Bestandteil eines Produkts sein. Welche Form medizinisch geeignet ist, hängt von Diagnose, Therapieziel, bisherigen Behandlungen, Begleitmedikationen und individuellen Risiken ab.
Die bestimmungsgemäße Verdampfung vermeidet klassische Verbrennung; Inhalation ist dennoch nicht risikofrei.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Medizinisches Cannabis wird ärztlich verordnet und über Apotheken abgegeben.
- Je nach Therapie können Cannabisblüten, Extrakte oder andere standardisierte Darreichungsformen eingesetzt werden.
- THC- und CBD-Gehalt sowie das weitere Cannabinoid- und Terpenprofil können sich zwischen Produkten deutlich unterscheiden.
- Indica, Sativa und Hybrid reichen allein nicht aus, um die medizinischen Eigenschaften einer Cannabisblüte zuverlässig einzuschätzen.
- Dosierung, Darreichungsform und Produktauswahl sollten ärztlich festgelegt und regelmäßig überprüft werden.
- Nebenwirkungen, Wechselwirkungen und individuelle Risiken müssen berücksichtigt werden.
Was ist medizinisches Cannabis?
Medizinisches Cannabis bezeichnet Cannabis zu medizinischen Zwecken, das im Rahmen einer ärztlich begleiteten Behandlung eingesetzt wird. Dazu können Cannabisblüten, Cannabisextrakte sowie weitere cannabisbasierte Arzneimittel gehören.
Die Zusammensetzung kann je nach Produkt erheblich variieren. Zu den bekanntesten Cannabinoiden zählen THC (Tetrahydrocannabinol) und CBD (Cannabidiol). Darüber hinaus enthält die Cannabispflanze weitere Cannabinoide, Terpene und andere Pflanzenbestandteile.
THC kann psychoaktive Wirkungen auslösen und verschiedene Funktionen des zentralen Nervensystems beeinflussen. CBD besitzt keine mit THC vergleichbare berauschende Wirkung. Die medizinische Wirkung eines Präparats lässt sich jedoch nicht allein anhand eines einzelnen Inhaltsstoffs beurteilen.
Mehr über die verschiedenen Wirkstoffgruppen erfährst du im Beitrag Cannabinoide erklärt.
Medizinisches Cannabis ist nicht mit beliebigen Cannabisprodukten gleichzusetzen
Medizinalcannabis und cannabisbasierte Arzneimittel werden im medizinischen Kontext ärztlich verordnet und unter pharmazeutischen Qualitätsanforderungen über Apotheken abgegeben.
Wie wirkt medizinisches Cannabis?
Cannabinoide können mit dem körpereigenen Endocannabinoidsystem und weiteren biologischen Signalwegen interagieren. Dieses System ist an verschiedenen physiologischen Prozessen beteiligt.
THC wirkt unter anderem über Cannabinoid-Rezeptoren im zentralen Nervensystem. CBD besitzt ein anderes pharmakologisches Wirkprofil und wirkt nicht berauschend.
Wie ein konkretes Cannabisarzneimittel wirkt, hängt unter anderem von folgenden Faktoren ab:
- enthaltenen Cannabinoiden
- Wirkstoffkonzentrationen
- Darreichungsform
- individueller Dosierung
- Begleitmedikationen
- individueller Empfindlichkeit und Verträglichkeit
Auch Terpene werden im Zusammenhang mit Cannabis intensiv erforscht. Sie prägen unter anderem das Aroma. Ob bestimmte Kombinationen mit Cannabinoiden klinisch relevante zusätzliche Wirkungen erzeugen, ist jedoch noch nicht abschließend geklärt.
Weitere Hintergründe findest du im Beitrag Terpene Wirkung.
Medizinische Cannabisblüten
Cannabisblüten gehören zu den möglichen Darreichungsformen von Medizinalcannabis. Verschiedene Produkte können sich bei ihren Cannabinoid- und Terpenprofilen deutlich unterscheiden.
Bei der medizinischen Beurteilung sind deshalb konkrete Produktdaten aussagekräftiger als der reine Sortenname.
Cannabinoidprofil
Vor allem THC- und CBD-Gehalt sowie weitere ausgewiesene Cannabinoide können für die ärztliche Produktauswahl relevant sein.
Terpenprofil
Terpene prägen das Aromaprofil und werden hinsichtlich möglicher biologischer Wechselwirkungen weiter untersucht.
Pharmazeutische Qualität
Definierte Qualitätsanforderungen, Laboranalysen und kontrollierte Herstellungsprozesse sind für medizinische Produkte besonders wichtig.
Individuelle Verträglichkeit
Die gleiche Zusammensetzung kann von verschiedenen Patienten unterschiedlich wahrgenommen und vertragen werden.
Indica, Sativa oder Hybrid: Wie aussagekräftig ist die Einteilung?
Die Begriffe Indica, Sativa und Hybrid sind im Cannabisbereich weit verbreitet. Für eine medizinische Beurteilung reichen diese Kategorien allein jedoch nicht aus.
Die verbreitete Annahme, Indica wirke grundsätzlich beruhigend und Sativa grundsätzlich anregend, lässt sich nicht zuverlässig auf jedes medizinische Cannabisprodukt übertragen.
Produkte innerhalb derselben Kategorie können unterschiedliche Cannabinoid- und Terpenprofile besitzen. Aussagekräftiger sind deshalb die konkret ausgewiesenen Wirkstoffwerte und die individuelle Reaktion.
Eine Cannabisblüte sollte daher nicht pauschal allein wegen ihrer Einordnung als Indica, Sativa oder Hybrid einer bestimmten Erkrankung oder Beschwerde zugeordnet werden.
Worauf kommt es bei der Auswahl einer Cannabisblüte an?
Die Auswahl erfolgt im medizinischen Kontext anhand der individuellen Therapie. Dabei können unter anderem folgende Faktoren berücksichtigt werden:
- THC- und CBD-Gehalt
- weitere relevante Cannabinoide
- Terpenprofil
- individuelle Verträglichkeit
- Begleitmedikationen und mögliche Wechselwirkungen
- bisherige Therapieerfahrungen
- Darreichungsform
- pharmazeutische Qualität
Keine pauschalen Sortenempfehlungen für Erkrankungen
Die vorhandene wissenschaftliche Datenlage erlaubt keine seriöse Regel wie „Sorte X ist grundsätzlich für Erkrankung Y geeignet“. Die medizinische Auswahl sollte anhand des konkreten Produkts und der individuellen ärztlichen Beurteilung erfolgen.
Bei welchen Beschwerden wird medizinisches Cannabis eingesetzt?
Cannabisbasierte Arzneimittel werden bei unterschiedlichen Erkrankungen und Beschwerden eingesetzt beziehungsweise untersucht. Die wissenschaftliche Evidenz ist je nach Indikation, Wirkstoff und Präparat unterschiedlich.
Zu den medizinischen Bereichen, in denen Cannabisarzneimittel eine Rolle spielen können, gehören unter anderem:
- bestimmte chronische Schmerzen
- Spastik bei Multipler Sklerose
- chemotherapiebedingte Übelkeit und Erbrechen
- bestimmte Formen krankheitsbedingter Appetitlosigkeit
- ausgewählte neurologische oder andere schwerwiegende Erkrankungen
Diese Aufzählung bedeutet nicht, dass medizinisches Cannabis bei jeder genannten Beschwerde automatisch wirksam oder geeignet ist. Entscheidend sind Diagnose, vorhandene Evidenz, bisherige Therapien und die ärztliche Nutzen-Risiko-Abwägung.
Medizinisches Cannabis bei chronischen Schmerzen
Chronische Schmerzen gehören zu den häufig diskutierten Einsatzbereichen von Cannabisarzneimitteln. Die Datenlage muss jedoch differenziert betrachtet werden.
Nicht jede Schmerzform reagiert gleichermaßen auf Cannabinoide, und auch zwischen einzelnen Patienten kann die Wirkung unterschiedlich ausfallen.
Bei einer ärztlich begleiteten Therapie sollten deshalb konkrete Therapieziele festgelegt und regelmäßig überprüft werden. Andere geeignete Behandlungsoptionen sollten dabei nicht allein aufgrund einer Cannabistherapie außer Betracht bleiben.
Medizinisches Cannabis bei neurologischen Erkrankungen
Cannabisbasierte Arzneimittel können auch bei bestimmten neurologischen Erkrankungen eingesetzt werden. Ein bekanntes Beispiel ist Spastik bei Multipler Sklerose.
Welche Wirkstoffkombination und Darreichungsform infrage kommt, hängt von der konkreten Erkrankung, dem zugelassenen beziehungsweise verordneten Präparat und der individuellen Verträglichkeit ab.
Cannabis ist dabei kein allgemeines Heilmittel. Die Anwendung sollte immer auf einer nachvollziehbaren medizinischen Entscheidung beruhen.
Cannabisextrakte: Eigenschaften und Anwendung
Cannabisextrakte stellen eine weitere medizinische Darreichungsform dar. Sie können definierte Konzentrationen und Verhältnisse von THC, CBD oder weiteren Bestandteilen enthalten.
Bei oral angewendeten Extrakten setzt die Wirkung typischerweise später ein als bei einer inhalativen Anwendung und kann länger anhalten.
Deshalb ist eine genaue Befolgung der ärztlich festgelegten Dosierung besonders wichtig. Eine ausbleibende unmittelbare Wirkung ist kein Grund, die Menge eigenständig zu erhöhen.
Je nach Präparat können unter anderem folgende Formen vorkommen:
- ölige Cannabisextrakte
- Tropfen
- standardisierte Extrakte
- Kapseln
Welche Darreichungsform geeignet ist, hängt von der medizinischen Situation, dem konkreten Arzneimittel und der individuellen Therapie ab.
Was bedeutet Vollspektrum-Extrakt?
Bei Vollspektrum-Extrakten soll ein breiteres Spektrum natürlicher Pflanzenbestandteile erhalten bleiben. Dazu können neben verschiedenen Cannabinoiden auch Terpene gehören.
In diesem Zusammenhang wird häufig der sogenannte Entourage-Effekt diskutiert. Gemeint sind mögliche Wechselwirkungen zwischen mehreren Pflanzenstoffen.
Ob solche Wechselwirkungen bei konkreten medizinischen Anwendungen zu klinisch relevanten Vorteilen führen, ist jedoch noch nicht abschließend geklärt. „Vollspektrum“ sollte deshalb nicht automatisch mit einer nachgewiesenen höheren Wirksamkeit gleichgesetzt werden.
Wie erhält man medizinisches Cannabis auf Rezept?
Medizinisches Cannabis ist in Deutschland verschreibungspflichtig. Eine Verordnung erfolgt nach ärztlicher Beurteilung der individuellen gesundheitlichen Situation.
Eine Behandlung kann je nach Situation in einer Arztpraxis erfolgen. Auch telemedizinische Behandlungen können unter den geltenden ärztlichen und rechtlichen Voraussetzungen möglich sein.
Entscheidend bleibt eine ordnungsgemäße medizinische Prüfung. Ein bestimmtes Symptom führt nicht automatisch zu einem Anspruch auf eine Cannabisverordnung.
Was kann bei der ärztlichen Beurteilung berücksichtigt werden?
- Diagnose und Krankheitsverlauf
- aktuelle Beschwerden
- bisherige Therapien
- Wirksamkeit und Verträglichkeit bisheriger Behandlungen
- weitere Medikamente
- mögliche Gegenanzeigen und Risiken
- frühere Erfahrungen mit Cannabisarzneimitteln
Eine ausführliche Anamnese hilft dabei, Risiken, Wechselwirkungen und die medizinische Eignung besser einzuschätzen.
Abgabe und Verfügbarkeit von Medizinalcannabis
Medizinalcannabis wird in Deutschland aufgrund einer ärztlichen Verschreibung über Apotheken abgegeben.
Welche Cannabisblüten, Extrakte oder anderen Präparate verfügbar sind, kann sich je nach Hersteller, Apotheke und Lieferfähigkeit unterscheiden.
Für Patienten können dabei unter anderem folgende Punkte relevant sein:
- Wirkstoffgehalte
- pharmazeutische Qualität
- aktuelle Verfügbarkeit
- ärztliche Empfehlung
- individuelle Verträglichkeit
- Kosten und mögliche Kostenübernahme
Qualität und Sicherheit von medizinischem Cannabis
Bei medizinischem Cannabis sind reproduzierbare Wirkstoffgehalte, Reinheit und kontrollierte Qualität besonders wichtig.
Je nach Produkt können unter anderem Wirkstoffgehalte, mikrobiologische Belastungen und mögliche Verunreinigungen untersucht werden.
Definierte Wirkstoffgehalte
Für eine medizinische Therapie ist wichtig, dass die Zusammensetzung des Produkts nachvollziehbar angegeben werden kann.
Laboranalysen
Kontrollen können unter anderem zur Prüfung von Wirkstoffgehalten und relevanten Verunreinigungen dienen.
Kontrollierte Herstellung
Nachvollziehbare Prozesse sind wichtig, um Qualität und Reproduzierbarkeit medizinischer Produkte sicherzustellen.
Geeignete Lagerung
Cannabisarzneimittel sollten entsprechend den jeweiligen Produktinformationen vor ungeeigneter Feuchtigkeit, Wärme und Licht geschützt werden.
Nebenwirkungen und mögliche Risiken
Auch medizinisches Cannabis kann Nebenwirkungen verursachen. Art und Stärke hängen unter anderem von Wirkstoffprofil, Dosierung, Anwendungsform und individueller Empfindlichkeit ab.
Mögliche Nebenwirkungen können beispielsweise sein:
- Müdigkeit
- Schwindel
- trockener Mund
- Veränderungen der Wahrnehmung
- Beeinträchtigungen von Konzentration und Reaktionsfähigkeit
- Herzklopfen oder erhöhte Herzfrequenz
- Angst oder Unruhe
Insbesondere THC-haltige Präparate können die Reaktionsfähigkeit beeinflussen. Patienten sollten die individuellen Auswirkungen der Therapie kennen und ärztliche Hinweise insbesondere im Zusammenhang mit Straßenverkehr und dem Bedienen von Maschinen beachten.
Auch Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln sind möglich. Deshalb sollte das behandelnde medizinische Fachpersonal über regelmäßig eingenommene Medikamente informiert sein.
Bei starken, ungewöhnlichen oder neu auftretenden Beschwerden sollte medizinischer Rat eingeholt werden.
Medizinisches Cannabis und Abhängigkeit
Auch das Risiko problematischen Gebrauchs muss bei einer Cannabistherapie berücksichtigt werden. Besonders bei THC-haltigen Produkten kann regelmäßige Anwendung mit einem Risiko für eine Cannabisgebrauchsstörung verbunden sein.
Eine ärztlich kontrollierte Therapie verfolgt deshalb ein anderes Ziel als unkontrollierter Konsum: Nutzen, Nebenwirkungen und Therapieziel sollten nachvollziehbar bewertet werden.
Bei längerfristiger Behandlung ist eine regelmäßige ärztliche Überprüfung sinnvoll, um zu beurteilen, ob die Therapie weiterhin erforderlich und geeignet ist.
Darreichungsformen im Vergleich
| Darreichungsform | Grundlegende Eigenschaft | Zu beachten |
|---|---|---|
| Cannabisblüten | Enthalten die natürlichen Bestandteile der Cannabisblüte. | Bei ärztlich vorgesehener Inhalation nur entsprechend Verordnung und Anwendungshinweisen verwenden. |
| Cannabisextrakte | Können definierte Konzentrationen bestimmter Cannabinoide enthalten. | Bei oraler Anwendung typischerweise späterer Wirkungseintritt; Dosierung nicht eigenständig verändern. |
| Kapseln oder standardisierte Präparate | Können eine definierte Wirkstoffmenge bereitstellen. | Eignung hängt vom konkreten Arzneimittel und der individuellen Therapie ab. |
Cannabisblüten mit einem Vaporizer anwenden
Wenn medizinische Cannabisblüten ärztlich zur Inhalation verordnet wurden, kann die Anwendung mit einem dafür geeigneten Vaporizer erfolgen.
Beim bestimmungsgemäßen Verdampfen wird Pflanzenmaterial kontrolliert erhitzt, anstatt es wie beim Rauchen zu verbrennen. Daraus folgt jedoch nicht, dass inhalative Anwendung risikofrei ist.
Für die medizinische Nutzung sind die ärztliche Verordnung, pharmazeutische Anwendungshinweise und Herstellerangaben des Geräts maßgeblich.
Die am Vaporizer eingestellte Temperatur muss außerdem nicht exakt der tatsächlichen Temperatur des gesamten Pflanzenmaterials entsprechen. Heizsystem, Sensorposition, Luftstrom, Kammerkonstruktion, Füllzustand, Feuchtigkeit und Kalibrierung können Unterschiede verursachen.
Eine einzelne Temperatureinstellung sollte daher nicht als universell optimale medizinische Einstellung oder als Methode zur Maximierung einer bestimmten Wirkung verstanden werden.
Rechtliche Rahmenbedingungen in Deutschland
Medizinalcannabis ist in Deutschland rechtlich vom Cannabis zu nicht-medizinischen Zwecken getrennt. Die medizinische Anwendung unterliegt eigenen gesetzlichen und fachlichen Vorgaben.
Medizinalcannabis bleibt verschreibungspflichtig und wird grundsätzlich aufgrund einer ärztlichen Verschreibung über Apotheken abgegeben.
Die ärztliche Verordnung muss den jeweils geltenden fachlichen und rechtlichen Anforderungen entsprechen. Auch bei telemedizinischen Behandlungen gelten ärztliche Sorgfaltspflichten.
Da sich rechtliche Rahmenbedingungen ändern können, sollten Patienten bei konkreten Fragen zur aktuellen Verordnung, Abgabe oder Kostenübernahme die behandelnde Arztpraxis, Apotheke, Krankenkasse oder zuständige offizielle Stellen berücksichtigen.
Was kostet medizinisches Cannabis?
Die Kosten können je nach Arzneimittel, Cannabisblüte, Wirkstoffprofil, Menge und Bezugsweg unterschiedlich ausfallen. Einen einheitlichen Preis für medizinisches Cannabis gibt es deshalb nicht.
Zusätzlich muss zwischen dem tatsächlichen Arzneimittelpreis und einer möglichen Kostenübernahme durch eine Krankenversicherung unterschieden werden.
Ob und unter welchen Voraussetzungen eine Kostenübernahme möglich ist, sollte im individuellen Fall mit behandelndem Arzt und Krankenkasse geklärt werden.
Wie findet man das passende medizinische Cannabis?
Ein geeignetes Cannabisarzneimittel sollte nicht allein anhand eines Sortennamens ausgewählt werden. Aussagekräftiger ist die gemeinsame Betrachtung des gesamten Wirkstoffprofils und der individuellen Therapiesituation.
Bei der ärztlichen Auswahl können unter anderem berücksichtigt werden:
- THC- und CBD-Gehalt
- weitere relevante Cannabinoide
- Terpenprofil
- Darreichungsform
- gewünschter Wirkungseintritt und Wirkungsverlauf
- individuelle Verträglichkeit
- Begleitmedikationen
- bisherige Therapieerfahrungen
Die Begriffe Sativa, Indica und Hybrid können eine traditionelle oder kommerzielle Einordnung darstellen, sollten aber nicht als alleinige medizinische Entscheidungshilfe verwendet werden.
Forschung zu medizinischem Cannabis
Die Forschung zu Cannabisarzneimitteln entwickelt sich kontinuierlich weiter. Untersucht werden sowohl einzelne Cannabinoide als auch verschiedene Kombinationen und Darreichungsformen.
Die wissenschaftliche Evidenz ist je nach Erkrankung unterschiedlich. Für manche medizinischen Anwendungen bestehen besser untersuchte Einsatzmöglichkeiten, während bei anderen Beschwerden noch größere Unsicherheiten oder uneinheitliche Ergebnisse bestehen.
Auch mögliche Wechselwirkungen zwischen Cannabinoiden, Terpenen und weiteren Pflanzenbestandteilen werden untersucht. Der häufig diskutierte Entourage-Effekt sollte jedoch nicht als bereits abschließend nachgewiesener klinischer Vorteil verstanden werden.
Forschungsergebnisse richtig einordnen
Hinweise aus Labor-, Tier- oder kleinen Beobachtungsstudien sind nicht automatisch ein Nachweis einer therapeutischen Wirksamkeit beim Menschen. Entscheidend sind belastbare klinische Daten für die jeweilige medizinische Fragestellung.
Zusammenfassung: Medizinisches Cannabis sachlich eingeordnet
Medizinisches Cannabis kann für bestimmte Patienten eine zusätzliche Therapieoption darstellen. Welche Form, welches Produkt und welche Dosierung medizinisch geeignet sind, muss individuell beurteilt werden.
Die wichtigsten Erkenntnisse
- Medizinisches Cannabis wird ärztlich verordnet und über Apotheken abgegeben.
- Cannabisblüten können sehr unterschiedliche THC-, CBD- und Terpenprofile besitzen.
- Indica, Sativa und Hybrid reichen für eine medizinische Beurteilung allein nicht aus.
- Extrakte und andere standardisierte Darreichungsformen verfolgen eigene Anwendungskonzepte.
- Wirkung und Verträglichkeit können individuell deutlich variieren.
- Nebenwirkungen, mögliche Wechselwirkungen und Abhängigkeitsrisiken müssen berücksichtigt werden.
- Bei ärztlich verordneter inhalativer Anwendung können geeignete Vaporizer eingesetzt werden.
- Die Kostenübernahme hängt von den jeweils geltenden Voraussetzungen und dem individuellen Fall ab.
Medizinisches Cannabis sollte deshalb immer als Bestandteil einer ärztlich begleiteten Therapie betrachtet werden. Produktauswahl, Darreichungsform und Dosierung sollten sich an der individuellen medizinischen Situation orientieren.
Cannabinoide genauer verstehen
Wenn du THC, CBD, CBG, CBN und weitere Cannabinoide besser einordnen möchtest, findest du im Cannabinoid-Ratgeber zusätzliche Hintergrundinformationen zu Wirkstoffen, Forschung und Risiken.
Cannabinoide erklärtHäufig gestellte Fragen zu medizinischem Cannabis
Was ist medizinisches Cannabis?
Medizinisches Cannabis umfasst Cannabis zu medizinischen Zwecken, das ärztlich verordnet und im Rahmen einer individuell abgestimmten Therapie eingesetzt wird. Dazu können Cannabisblüten, Extrakte und weitere cannabisbasierte Arzneimittel gehören.
Welche medizinischen Cannabis-Sorten gibt es?
Es gibt zahlreiche Produkte mit unterschiedlichen THC-, CBD- und Terpenprofilen. Die Bezeichnungen Indica, Sativa und Hybrid beschreiben die tatsächliche chemische Zusammensetzung nur eingeschränkt.
Wie bekommt man medizinisches Cannabis auf Rezept?
Eine Verordnung kann nach ärztlicher Beurteilung erfolgen, wenn medizinisches Cannabis im individuellen Fall als geeignete Therapie angesehen wird. Auch telemedizinische Behandlungen müssen die geltenden ärztlichen und rechtlichen Anforderungen erfüllen.
Welche Darreichungsformen gibt es?
Zu den möglichen Formen gehören unter anderem medizinische Cannabisblüten, Cannabisextrakte sowie weitere standardisierte cannabisbasierte Arzneimittel. Welche Form geeignet ist, hängt von der individuellen Therapie ab.
Sind Indica-Sorten medizinisch besser als Sativa-Sorten?
Eine pauschale Aussage ist nicht möglich. Für eine medizinische Beurteilung sind das konkrete Cannabinoid- und Terpenprofil, das jeweilige Produkt und die individuelle Verträglichkeit wesentlich aussagekräftiger.
Kann medizinisches Cannabis mit einem Vaporizer angewendet werden?
Wenn Cannabisblüten ärztlich zur Inhalation verordnet wurden, kann ein dafür geeigneter Vaporizer eingesetzt werden. Die konkrete Anwendung sollte sich nach Verordnung, pharmazeutischen Hinweisen und Herstellerangaben richten.
Übernimmt die Krankenkasse die Kosten?
Eine Kostenübernahme kann unter bestimmten Voraussetzungen möglich sein. Ob diese im individuellen Fall erfüllt sind, sollte mit Arzt und Krankenkasse geklärt werden.
Welche Nebenwirkungen kann medizinisches Cannabis haben?
Je nach Wirkstoff und individueller Situation können unter anderem Müdigkeit, Schwindel, trockener Mund, Wahrnehmungsveränderungen, Konzentrations- und Reaktionsbeeinträchtigungen sowie Angst oder Unruhe auftreten.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Medizinisches Cannabis sollte nur nach ärztlicher Verordnung und entsprechend der individuellen Therapieempfehlung angewendet werden. Rechtliche und medizinische Rahmenbedingungen können sich ändern.




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